Shiva Feshareki
Shiva Feshareki ist eine Komponistin und Turntablistin, die an der Schnittstelle zwischen zeitgenössischer klassischer und elektronischer Musik arbeitet, mit einem Schwerpunkt auf Raumklang und räumlicher Komposition. Wir trafen sie im King‘s Place vor ih
Kannst du uns sagen, was dich bei deiner Arbeit inspiriert?
Die Physikalität des Klangs, der Live-Moment und die Live-Manifestation von Musik und wie Klang so eng mit den verschiedenen Elementen unseres Lebens interagiert, mit unserer Existenz eigentlich –mit dem Universum. Frequenzen, Schallwellen, Schwingungen – alles besteht auf irgendeine Weise aus Klang und Schwingungen.
Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit Sean (Shibe) und kannst du uns von eurer gemeinsamen Performance mit Soundscape erzählen?
Sean und ich haben uns kennengelernt, als wir getrennt an verschiedenen Projekten gearbeitet haben, und es entstand eine sehr organische Zusammenarbeit. Er hat einige meiner Stücke aufgeführt; er hat Venus/Zohreh als Arrangement für E-Gitarre veröffentlicht – ursprünglich war es für Streichorchester konzipiert. Zudem habe ich ihn vor ein paar Jahren eingeladen, Seismic Wave Orchestra in Dänemark zu performen. Und das war das erste Mal, dass wir zusammen gespielt haben.
Und heute Abend spielt ihr Seismic Wave Orchestra. Kannst du uns sagen, wie das Stück mit Soundscape funktioniert?
Seismic Wave Orchestra ist ein Stück mit räumlicher Elektronik und E-Gitarre. Das Stück funktioniert so, dass sich die E-Gitarre ganz auf die Arbeit mit dem Verstärker und dieser Art von statischem Sound der Gitarre mit dem Amp konzentriert, während die Elektronik und die Turntables darüber improvisiert sind und sich räumlich im gesamten Bereich bewegen. Und heute Abend verbreiten wir den Klang mit dem d&b Soundscape System. Normalerweise wird er nur mit Ambisonics verbreitet, aber jetzt ist es eine Mischung aus Ambisonics und Soundscape, die zusammen den Raumklang steuern.
Wie arbeiten Soundscape und Ambisonics zusammen?
Soundscape und Ambisonics sind in mancher Hinsicht ähnlich und in anderer unterschiedlich; mit Ambisonics erhält man eher eine 360°-Klangwelt auch mit Höhe, aber mit Soundscape erhält man die volle XY-Ebene des Raumklangs. Deshalb ist es gut, damit zu arbeiten, denn egal, wo man im Publikum sitzt oder steht, man erhält ein sehr, sehr klares Gefühl für die Räumlichkeit. [1]
Was ist der Hauptunterschied zwischen einer Performance in Stereo und mit einem objektbasierten System?
Ich habe schon seit vier oder fünf Jahren nicht mehr in Stereo performed. Der Grund dafür ist, dass der Stereosound eine lineare Klangebene von links nach rechts ist und meine Musik sich sehr auf die Physikalität des Klangs und den Raumklang konzentriert. Die Arbeit mit dem Soundscape System, Ambisonics und anderem Spatial Audio ermöglicht es mir, meine räumlichen Kompositionen mit der modernsten Technologie umzusetzen, die sie brauchen. Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, dass sich meine räumlichen Kompositionen mit der Technologie mitentwickelt haben, weil ich schon seit einiger Zeit auf diese Weise arbeite.
Wie lief im Vorfeld der heutigen Show die Zusammenarbeit mit dem d&b Team?
Es war eine tolle Erfahrung, wirklich, wirklich cool. Es hat mir viel Spaß gemacht, in die Studios in Soho zu gehen und tatsächlich die Möglichkeit zu haben, eng mit dem Team zusammenzuarbeiten. So sind wir auf das hybride System gekommen, von dem ich gerade erzählt habe, mit dem objektbasierten Soundscape System und dem Raumklang, den ich mit Ambisonics erzeuge. Und dann alles zusammenzubringen und zu sehen, wie die zwei Sounds aufeinandertreffen.
Was bedeutet es für dich als Künstlerin, live zu performen?
Die Live-Auftritte sind so ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Es ist definitiv eher das Live-Erlebnis, das mich antreibt, als die aufgezeichneten Erlebnisse und die veröffentlichte Arbeit. Es geht darum, wie sich meine Musik live in dem Moment manifestiert, als Reaktion auf den akustischen Raum, als Reaktion auf das Soundsystem, als Reaktion auf das Publikum. Diese Energie ist so wichtig für meine Musik und dafür, wie sie in dem Moment wächst und sich entwickelt und das auf eine Art und Weise, die man nicht wirklich vorhersagen kann.
Und wie verbessert Soundscape das Erlebnis für das Publikum?
Das räumliche Klangerlebnis ist so sehr Teil meiner Musik, dass sie ohne das nicht wirklich meine Musik wäre. Also tatsächlich ermöglicht die Arbeit mit dem Soundscape System eine sehr kreative Zusammenarbeit zwischen Klang und Technologie, und das Publikum erlebt auf wirklich faszinierende Weise, wie man die Parameter dessen auslotet, wie man tatsächlich Klang versteht.