Tanglewood. Wenn man die Bäume und gleichzeitig den Wald sieht

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Erscheint eigentlich logisch, dass das Boston Symphony Orchestra seit 1937 jeden Sommer ans westliche Ende des Bundesstaates Massachusetts ins County Berkshire reist und an einem Ort namens Tanglewood Quartier bezieht. Tanglewood, das klingt geheimnisumwoben. Tatsächlich bekam es seinen Namen nach Nathaniel Hawthornes Cottage, der Mitte des vorletzten Jahrhunderts an diesen Ort zwischen Lenox und Stockbrigde gezogen war, um sich Inspirationen für sein Buch Tanglewood Tales zu holen, eine Nacherzählung der griechischen Mythen für Kinder.

Tanglewood ist geheimnisvoll und bestechend. Verbindet man Stichworte wie Sergei Alexandrowitsch Koussevitzky (damals Leiter des BSO), Sommerfestival (Klassik, Jazz), Boston Pops und Seiji Ozawa (viele Jahre Ausbilder des musikalischen Nachwuchses), begreift man die Tragweite dieses Begriffs, wenn auch in einiger kultureller Verwirrung. Aber kaum versucht man, festzulegen, was Tanglewood wirklich ist, kommt schon wieder etwas Neues um die Ecke. Jedenfalls ist das Sommerfestival mit seinen Open-Air-Veranstaltungen für alle Beteiligten belebend und erfrischend. Und dieses Jahr feiert es ein 75-jähriges Bestehen! Dr. Douglas McKinnie arbeitet seit über fünfundzwanzig Jahren als Leiter des Tonbereichs in der Koussevitzky Hall, Hauptspielort von Tanglewood. „Ich habe als Student dort angefangen. Die Musik ist von so herausragender Qualität, dass ich immer versucht habe, beim Sommerfestival mitzuarbeiten.“ Wer kann es ihm verdenken?

„Das Amphitheater, der „Koussevitzky-Shed“, wurde 1938 eröffnet, 1959 wurde die Akustik von Leo Beranek und seiner Firma BB&N modernisiert. „Der Saal hat nun eine bessere Akustik als viele moderne Säle, die ich kenne. The Shed, das ist ein Begriff, denn es ist tatsächlich ein Prototyp für solche dreiwändigen Sommerpavillons in den USA.“ Der Shed ist etwa neun Meter hoch und hat einen großen, geschlossenen Raum über der Bühne. Die Überdachung an der offenen Seite bietet Platz für fünftausend Menschen. Anders als Pavillons, die an einer steilen Böschung stehen, ist der Shed von offenen, flachen Rasenflächen umgeben, wo bei gutem Wetter weitere 15000 Zuhörer das Konzert hören können. „Es gibt dort eine Nachhallzeit von mehreren Sekunden und auch eine Menge Reflexionen von den Seitenwänden. Das ist ideal für große Orchester, vor allem, wenn sie mit Opernsängern auftreten, für die Klangverstärkung sind die Bedingungen jedoch nicht so gut.“

Doch eine Klangverstärkung wurde fast seit dem ersten Tag gefordert, wie McKinnie erzählt. „Pro Woche gibt es etwa drei Konzerte vom BSO. Davor gibt es oft eine Veranstaltung, bei der die Sprachverstärkung eine Rolle spielt, beispielsweise Podiumsdiskussionen oder einen Vortrag über ein musikalisches Thema. Das kann bei sieben, acht offenen Mikrofonen und bei dieser großen Nachhallzeit echt zum Problem werden. Über die Jahre haben wir immer wieder auf eine Verbesserung der Situation gedrängt. Die ursprüngliche Prämisse der Veranstalter lautete: Warum brauchen wir eine große PA für die Sprachverstärkung? Die Antwort ist: wegen der Richtcharakteristik. Ein Musikwissenschaftler kam regelmäßig hierher, er hielt Vorträge und machte Vorführungen in einem der Vortragssäle. Dort brauchte er natürlich immer nur zwei Lautsprecher an einer Stange, und fragte dann, warum im Shed hingegen der Sound so schlecht sei. Er war ein einflussreicher Mann, die Verwaltung hörte auf ihn. Über ihn konnte wir durchsetzen, dass man es mit einer größeren Punktquellen-Lösung versuchte. Ich wandte mich an Mike Weirich und John Geritz von SAVI. Dabei gab ich mich ahnungslos in Bezug auf Akustik und Verstärkung und fragte: Was muss man tun, wenn man mit zwei Standlautsprechern im Shed gute Sprachverständlichkeit bekommen will? Geritz gab mir für eine Saison zwei fahrbare Stacks mit C4 und C7. Das war schon eine weitreichende Verbesserung. Daran schloss sich ein Prozess an, in dem wir die Sache mit geflogenen Systemen vorantrieben und hinsichtlich der Vorgaben im Shed weiterentwickelten.“

Dennoch blieb das Problem, dass zu vielen Vorträgen nicht so viel Publikum kommt wie zu den Konzerten. Die meisten sitzen dann zwar direkt vor der Bühne, einige aber halten sich ganz hinten auf, das heißt, man braucht ein Delay. „Aber die Frage war: Wenn das Haus nur halb voll ist – sollen wir das Delay auf Kosten der Sprachverständlichkeit anlassen oder ausschalten, und dann hören die hinteren Reihen nichts? Wir brauchten also ein größeres System, das auch immer angeschaltet bleiben konnte. Ein paar Jahre lang haben wir wochenend- und leihweise alle möglichen Systeme ausprobiert, die gerade neu auf den Markt kamen, immer unterstützt von SAVI. Dabei hatte sich in jeder Hinsicht vor allem ein System bewährt: ein Line Array der J-Serie. Damit konnten wir auf das Delay unserer alten PA verzichten und dennoch bis ganz nach hinten beschallen. Wo dennoch ein Delay erforderlich war, konnten wir das punktuell mit Q7 Lautsprechern lösen, die wir direkt hinter dem Dachtrauf montiert haben. Das war eine saubere Lösung.“

Wie gesagt, in diese Entwicklung sind viele Standpunkte eingeflossen, nicht zuletzt die 35-jährige Erfahrung des BSO-Tontechnikers Steve Colby bei den Boston Pops in und außerhalb von Tanglewood und beim Jazzfestival in der Ozawa Hall. „Dazu brauche ich eine gleichmäßige Abdeckung und eine Rückführung zu den Künstlern auf der Bühne. Ich finde die d&b Produkte sowohl für die Hall als auch für den Shed ideal, weil sie im Sprachmodus einen weichen Übergang durch die Schnittstellen ermöglichen und die PA an den Verstärkern mit einfachen Mitteln konfiguriert und modifiziert werden kann“, sagt Colby.

Auch in der Ozawa Hall wurde zunächst experimentiert. „Wir haben mit der C-Serie angefangen“, sagt Weirich. „Doch der Raum war zu kompakt und das System von den Maßen her einfach zu groß. Also sind wir auf die Q-Serie umgestiegen, als diese herausgekommen ist.“ Dave Harris hat ein komplexes Sounddesign mit Q1 vorne sowie Q7 an den Seiten und ganz hinten entworfen, draußen auf dem Rasen stehen Türme aus Q1 und Q-SUBs.

Das Sommerfestival wird immer von SAVI begleitet, sie liefern die jeweils erforderliche „PA du jour“, bestehend aus den Lautsprechern ihrer Wahl: d&b.

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